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Was bedeuten die Pflegegrade 1 bis 5?

Wird eine Person zum Pflegefall, sind die Familien vor eine große Herausforderung gestellt. Einen pflegebedürftigen Menschen im eigenen Wohnumfeld zu versorgen und ihm dabei eine weitgehende Barrierefreiheit zu ermöglichen, wird für pflegende Angehörige zu einer emotionalen wie finanziellen Herausforderung. Die Leistungen der Pflegekasse bieten Unterstützung. Die Höhe und der Umfang der Leistungen richten sich nach dem gewährten Pflegegrad.

Bild 1: hellgrauer Kreis mit 7 Commicmännchen (6 graue, 1 hellgrün), außen ein schwarzer Pfeil mit Beschriftung 3 Pflegestufen zu 5 Pflegegrade
Bild 1: 3 Pflegestufen – 5 Pflegegrade
Photo by anSICHThoch3 on Pixabay

Was versteht man unter Pflegegrad?

Um Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten, ist die Erteilung eines Pflegegrades notwendig. Mithilfe dieser Einstufung wird der Grad der Pflegebedürftigkeit definiert. Die einzelnen Grade geben an, wie stark pflegebedürftig die betreffende Person ist.

Hinweis:
Im Jahre 2017 trat eine umfassende Pflegereform in Kraft. Diese führte zur Aufhebung der Pflegestufen 0 bis 3. Seither wird von fünf verschiedenen Pflegegraden ausgegangen. Die Bezeichnung „Pflegestufe“ ist weiterhin Teil des alltäglichen Sprachgebrauchs.

 Die einzelnen Pflegegrade mit ihren Einstufungen im Überblick:

    • Pflegegrad 1 = Selbstständigkeit ist gering beeinträchtigt.
    • Pflegegrad 2 = Selbstständigkeit erheblich beeinträchtigt.
    • Pflegegrad 3 = Selbstständigkeit schwer beeinträchtigt.
    • Pflegegrad 4 = Selbstständigkeit schwerst beeinträchtigt.
    • Pflegegrad 5 = Selbstständigkeit ist schwerst beeinträchtigt und es werden besondere Anforderungen an die Versorgung gestellt.

💡 Ohne Pflegegrad besteht kein Anspruch auf Leistungen. Um einen Pflegegrad zu erhalten, muss bei der Pflegeversicherung ein formloser Antrag gestellt werden. Nach Erstellung des Pflegegutachtens wird der Pflegegeld-Bescheid zugesandt.

Wie viel Geld gibt es bei den Pflegestufen 1 bis 5?

Nach der Festlegung der Pflegestufe hat der Betroffene Anspruch auf Unterstützungen in unterschiedlicher Höhe. Es werden Pflegegeld und Sachleistungen gezahlt.                  Folgende Übersicht gibt Aufschluss über die Höhe der Leistungen.

Pflegegrad monatliches Pflegegeld monatliche Pflegesachleistungen
1
2 332 Euro 724 Euro
3 573 Euro 1363 Euro
4 765 Euro 1693 Euro
5 947 Euro 2095 Euro

                                                                                                                                Stand: 2024

Das Pflegegeld wird von der Pflegekasse auf das Konto des Antragstellers überwiesen und dient der privaten Pflege im häuslichen Umfeld. Die Leistung dient vorrangig der Anerkennung der Pflegeleistung der betreuenden Person. Pflegegeld ist frei verfügbar.

Pflegesachleistungen dienen der Abdeckung der Kosten für einen professionellen Pflegedienstleister. Dieser bietet beispielsweise Unterstützung bei der Hygiene, der Ernährung und der allgemeinen Haushaltsführung.

💡 Tipp: Damit eine umfassende Versorgung abgesichert werden kann, lassen sich Pflegegeld und Sachleistungen kombinieren. Das Pflegegeld minimiert sich dadurch anteilig um den Betrag für die Sachleistungen.

Welche Krankheiten zählen für eine Pflegestufe?

  • Die Pflegestufen werden nicht pauschal nach bestehenden Krankheiten festgelegt. Anspruch haben Personen, die nach § 14 SGB XI als „pflegebedürftig“ gelten.
  • Dem können körperliche wie seelische Erkrankungen sowie Behinderungen zugrunde liegen. Eine Grundvoraussetzung ist, dass es Betroffene nicht mehr schaffen, den Alltag aus eigener Kraft zu bewältigen und mindestens ein halbes Jahr auf „erhebliche Hilfen“ angewiesen sein werden.
  • Damit kommen nicht nur chronische Krankheiten in Betracht. Auch während der Rehabilitation nach Unfällen, Schlaganfällen etc. kann Pflegegeld gezahlt werden.
  • Ob und in welchem Umfang eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, wird der Medizinische Dienst im Rahmen einer Überprüfung vor Ort klären. Die unabhängigen Gutachter haben die Aufgabe, festzustellen, wie hoch die Beeinträchtigung des Antragstellers ist.
  • Dabei ist nicht die eigentliche medizinische Diagnose relevant, sondern es zählen das Maß an Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit. 

Die Begutachter richten ihr Hauptaugenmerk auf folgende Bereiche:

    • Mobilität
    • Selbstversorgung
    • Verhalten
    • psychische Verfassung
    • kognitive und kommunikative Fähigkeiten
    • Gestaltung des Alltags
    • Pflege sozialer Kontakte. 
  • 💡 Die Beurteilung der Bedürftigkeit wird nach einem Punktesystem vorgenommen. Dabei kommt den einzelnen Faktoren eine unterschiedliche Gewichtung zu. So wird zum Beispiel die Selbstversorgung höher eingestuft als die Mobilität.

    Welche Leistungen bekommt man für welchen Pflegegrad?

    • Pflegebedürftigen Personen stehen sogenannte Entlastungsleistungen zu. Diese sollen der Entlastung pflegender Angehöriger dienen und die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen im häuslichen Alltag fördern.
      Dabei handelt es sich um zweckgebundene Leistungen.
    • Die Pflegekassen stellen dafür monatlich eine Summe von bis zu 125 Euro bereit. Die Gelder können zum Beispiel für anfallende Tages- und Nachtpflege verwendet werden oder auch die Teilnahme von behinderten Menschen an Betreuungsgruppen finanziell fördern.
    • In der privaten Pflege ist nicht selten eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung notwendig. Bei Krankheit oder Urlaub wird eine Vertretung gebraucht. Diese sogenannte Verhinderungspflege bezuschusst die Pflegekasse mit maximal 1.612 Euro jährlich. Diese Option kann ab Pflegegrad 2 gewährt werden und ist auf eine Zeitspanne von sechs Wochen begrenzt.
    • Eine weitere mögliche Leistung ist die Unterstützung der Kurzzeitpflege. Diese soll sicherstellen, dass die Pflegebedürftigen jährlich für maximal zwei Monate in einer stationären Pflegeeinrichtung untergebracht werden können. Diese Leistung steht Pflegebedürftigen der Pflegegrade 2 bis 5 zu und umfasst einen Zuschuss von 1.774 Euro.
    • Ehrenamtlich tätige Pflegende bekommen von der Pflegekasse Rentenbeiträge gezahlt. Damit sollen mögliche Arbeitszeitausfälle ausgeglichen werden. Der Anspruch besteht, wenn Pflegende an zwei Tagen pro Woche mindestens zehn Stunden einen Bedürftigen pflegen.
    • Zur Sicherung der Barrierefreiheit Pflegebedürftiger sind häufig bauliche Veränderungen im häuslichen Umfeld notwendig. Hierfür können Zuschüsse von maximal 4.000 Euro pro Maßnahme gewährt werden.
      Die Kosten werden nur übernommen, wenn die angestrebte Maßnahme tatsächlich Bedürftigen entgegenkommt und deren Lebensqualität verbessern hilft.

     Folgende Maßnahmen zählen dazu:

      • Einbau von Aufzügen oder Treppenliften
      • Installation von Hausnotrufen
      • Herstellung von Barrierefreiheit im Badezimmer
      • Umbau von Steckdosen oder Lichtschaltern
      • rollstuhlgerechter Umbau der Küche
      • Vergrößerung von Türen oder Begradigung von Türschwellen
                                                                                                                                                                                                                                                                  💡 Kann ein Umbau der Wohnung nicht die nötigen Erleichterungen bieten, wird häufig ein Umzug notwendig. Anfallende Umzugskosten werden ebenfalls von der Pflegekasse bezuschusst.

    © Kathrin Weise (presse@bussgeldkatalog.de),veröffentlicht von Mobilfuchs am 15.08.2024


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